Zweispurige Familienräder

Der Däne: Butchers & Bicycles

Ein zweispuriges Rad mit einer sich neigenden Vorderachse braucht etwas Zeit, um sich darauf einzulassen. Fährt man aber damit etwas länger und gewöhnt man sich an das Neigen, fährt es sich zweispurig fast wie auf einem normalen Rad – und steht noch dazu auf drei Rädern, kann also sicher nicht umfallen. Die Kinder steigen übrigens vorne sehr gemütlich bei offener Tür in die Box, es braucht keine Kletterübung wie beim Bakfiets.

 

Das Butchers & Bicycle ist allerdings schon ein wenig teurer als andere Familienräder. Mit allem Drum und Dran darf man mit etwa 6.000 Euro rechnen. Dafür fährt es dann mit einem sehr harmonischen Bosch Motor und übersetzt ruhig und automatisch. Die Räder sind schön verarbeitet, die Technologie hinter den Wendeachsen ist erprobt und ausgereift. Trotzdem eher die Luxusvariante der Familienräder. 

Nihola: auch aus Dänemark

Das Nihola ist in Kopenhagen an allen Ecken zu sehen. Es wird vor allem für den Kindertransport verwendet, aber auch ältere Menschen werden im Rahmen der Kampagne "Cycling without Age" mit Nihola-Rädern geführt. Das Bild oben zeigt ein Nihola, mit dem ein Rollstuhl transportiert werden kann. 

 

Die Vorderachse des Nihola ist nicht neigend. Dafür ist die aber Lenkung so gebaut, das nicht, wie beim Christiania, die Lastenfläche immer mitgelenkt werden muss, sondern die Lenkung unabhängig davon lenkt. Dadurch lässt sich das Rad leichter lenken und man fährt dynamischer in den Kurven. 

Der Neue: Chike aus Köln

Chike wurde bei der Eurobike 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt, ein neues, zweispuriges Transportrad mit kippender Vorderachse, von zwei Brüdern in Köln entwickelt. Das Chike [gesprochen tschaik] übernimmt die Idee vom dänischen Butchers & Bicylces, die das „built to tilt“ als erstes entwickelt hatte.

 

 

Das Chike macht vieles richtig, fährt sich nach anfänglichem Wackeln sehr stabil, ist angetrieben mit einem Shimano Steps Motor, lässt vorne Platz für zwei Kinder und bietet zusätzlich noch die Option, zwei große Transportboxen vor dem Tretlager anzubringen. Die Kette ist kurz, der Radstand auch, das Rad ist überraschend wendig und das in der Kurve liegen macht sicher Spaß für die mitfahrenden Kinder. Wenn die Kinder rausgewachsen sind, bietet der Entwickler statt der Sitzbank eine hölzerne Transportkiste an, mit dem das Rad dann für die allgemeine Alltagslogistik verwendet werden kann. 

 

Die elektrifizierte Version für den Kindertransport (mit Transportbox und Gurten) ist für etwa 5.500 Euro nicht ganz günstig, das Rad steckt aber voller Technologie und ist mit guten Komponenten ausgestattet. Nachdem das Unternehmen das Produkt gerade am Markt eingeführt hat, wird der Härtetest aber erst zu erbringen sein. 

Bild: www.christianiabikes.com
Bild: www.christianiabikes.com

Christiania: Der Klassiker

Und dann gibts die Christiania-Räder, die Klassiker aus Kopenhagen, und andere Anbieter von zweispurigen Lösungen (wie etwa die Fietsfabrik). Sie sind robust und gleiten durch die Stadt.

 

Die Vorteil dieser so genannten Trikes ist die Stabilität. Sie können nicht umfallen, auch bei einer Last von 200 kg. Allerdings leidet das Fahrverhalten etwas darunter. Trikes fahren sich nicht wie einspurige Fahrräder, besonders das Kurvenverhalten ist ein anderes. Ohne sich neigende Vorderachsen muss der Schwerpunkt mit dem eigenen Körper verlagert werden, um ein schnelleres Kurvenfahren zu ermöglichen und nicht umzukippen. Das Christiania eignet sich daher gut für langsames Fahren mit schweren Lasten durch die Stadt, ist aber nicht so geeignet für schnellere und längere Ausfahrten. Geschmacksache eben.